Percy Barnevik will zehn Millionen Arbeitsplätze schaffen

Früher war Percy Barnevik, der langjährige Chef der ABB, ein Starmanager. Nun möchte er die Ärmsten der Armen zu Unternehmern machen und dabei zehn Millionen neue Jobs schaffen. Den Vorwurf von Kritikern, er sei einst ein brutaler Sanierer und Kostenkiller gewesen, lässt der Schwede Percy Barnevik nicht gelten. Er sagt: „Ich habe bei ABB, General Motors, AstraZeneca, Skanska und DuPont gearbeitet und dabei Hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen, die meisten in Osteuropa und den Entwicklungsländern.“ Vor zehn Jahren hat Percy Barnevik die Nonprofitorganisation „Hand in Hand“ gegründet, weil er die Welt verändern möchte. Er will unter anderem beweisen, dass man mit relativ wenig Geld viele Jobs erschaffen kann. Percy Barnevik war in den neunziger Jahren der einflussreichste Manager Europas. Unter ihm fusionierten die beiden Industriefirmen Asea (Schweden) und Brown Boveri (Schweiz) zur ABB, die er in einem horrenden Tempo ausbaute.

Für die Stiftung „Hand in Hand“ arbeiten 54.000 Menschen

Rund 60 Millionen Franken hat Percy Barnevik in seine Stiftung „Hand in Hand“ gesteckt. Er nennt einen der Gründe: „Um mit Volldampf ein derartiges Projekt starten zu können, braucht man finanzielle Mittel. Ich wollte meine Zeit nicht mit Fundraising vergeuden.“ Der Philanthrop denkt, dass er bislang mit „Hand in Hand“ schon rund 1,2 Millionen Arbeitsplätze geschaffen hat. Die Stiftung fing bei null an und hat heute 54.000 Leute, die für sie arbeiten: 50.000 als Ehrenamtliche und 4.000 Angestellte.

„Hand in Hand“ startet laut Percy Barnevik jede Stunde 100 Kleinstfirmen. Allein in Indien hat die Stiftung 800.000 Kleinunternehmen von 750.000 armen Inderinnen gefördert. Die Stiftung ist mit einer höllischen Geschwindigkeit unterwegs. Kofi Annan sagte einmal zu Percy Barnevik: „In der Mikrofinanz gibt es viele Projekte, aber niemand ist auch nur annähernd so schnell, so kosteneffizient und wachstumsgetrieben wie du.“ Inzwischen ist Percy Barnevik schon 70-mal in Indien gewesen, das erste Mal vor 45 Jahren.

Acht Millionen Dorfbewohner profitieren von der Stiftung „Hand in Hand“

Der ehemalige Topmanager will in Indien das Schicksal der Ärmsten der Armen ändern, will Millionen von Jobs für sie schaffen. Percy Barnevik sagt: „Nicht durch Geldspenden, sondern mit Kleinstkrediten. Es gibt viel zu tun: In Indien leben 300 Millionen Menschen in tiefster Armut.“ Das Ziel der Stiftung „Hand in Hand“ ist, zehn Millionen Arbeitsplätze zu kreieren – vier Millionen in Indien, drei Millionen in Afrika, 1,5 Millionen in anderen asiatischen Ländern und ebenfalls 1,5 Millionen in Lateinamerika.

 Das Geschäftsmodell von „Hand in Hand“ funktioniert wie folgt: Die Stiftung gewährt zum Starten einer Firma Mikrokredite von 100 bis 200 Franken. Nach einem Jahr muss das Unternehmen überlebensfähig sein und der Kredit zurückbezahlt werden. Gleichzeitig fördert „Hand in Hand“ in Schulen unternehmerisches Denken. Percy Barnevik sagt: „Wir betreiben 100 Schulen für 100.000 Kinder, die früher in Fabriken standen, haben Gesundheitsprogramme, betreiben Zentren für Demokratie, für Computerausbildung und Umweltprogramme. Insgesamt sind acht Millionen Dorfbewohner involviert.“

Von Hans Klumbies