Joseph Stiglitz vergleicht die USA mit Schweden

Die große Frage in der Weltwirtschaft des 21. Jahrhunderts lautet für Joseph Stiglitz: „Welche Rolle soll der Staat spielen?“ Nur wenn der Staat stärker Einfluss nimmt, lässt sich seiner Meinung nach ein Strukturwandel erfolgreich gestalten, da derartige Veränderungen in der Vergangenheit nie automatisch stattgefunden haben und es auch in der Zukunft nicht tun werden. Joseph Stiglitz ergänzt: „Aber Marktmechanismen können eine zentral Rolle bei der Umsetzung spielen, zum Beispiel beim Aufbau einer neuen umweltverträglichen Wirtschaft. Schon eine einfache Veränderung – dafür zu sorgen, dass Preise die langfristige Knappheit von Umweltressourcen widerspiegeln – würde viel bewirken.“ Der amerikanische Wirtschaftsforscher Joseph Stiglitz gilt als einer der einflussreichsten Ökonomen der Welt. Er lehrt an der New Yorker Columbia University. Im Jahr 2001 erhielt er den Nobelpreis für ein Werk über Informationsökonomie.

 Gute öffentliche Leistungen bedürfen hoher Steuern

Joseph Stiglitz kritisiert eine Kerndoktrin der Republikaner, die lautet, dass Steuersenkungen jeden wirtschaftlichen Missstand beheben können, das heißt, je niedriger der Steuersatz, umso höher das Wirtschaftswachstum. Dagegen lobt der Nobelpreisträger für Ökonomie das schwedische Modell: „Doch Schweden hat eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen, und bei allgemeinen Messskalen der Lebensqualität liegt Schweden weit vor den Vereinigten Staaten. Die Lebenserwartung liegt in Schweden bei 80,5 Jahren, gegenüber 77 Jahren in den Vereinigten Staaten.“

Selbstverständlich führten die höheren Steuern in Schweden laut Joseph Stiglitz nicht direkt zu höheren Wachstumsraten und einem höheren Lebensstandard. Aber die schwedische Regierung begriff seiner Meinung nach, dass ein Land im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten leben muss. Joseph Stiglitz fügt hinzu: „Wenn ein Land ein gutes Gesundheits- und Bildungssystem, gute Verkehrswege und ein gutes soziales Sicherungsnetz haben will, dann müssen diese öffentlichen Leistungen finanziert werden, und dazu bedarf es nun einmal hoher Steuern.“

Der Wohlfahrtsstaat und eine innovative Gesellschaft schließen sich nicht aus

Es versteht sich für Joseph Stiglitz von selbst, dass jedes Land seine Mittel sinnvoll und effizient verwenden muss, und dies gilt sowohl für die Privatwirtschaft wie für die öffentliche Hand. Joseph Stiglitz vergleicht in dieser Hinsicht noch einmal Schweden mit den Vereinigten Staaten von Amerika: „Der staatliche Sektor in Schweden hat seine Gelder zweckgerecht und nutzbringend investiert; der private US-Finanzsektor dagegen hat völlig versagt.“ Zudem hat die schwedische Regierung festgestellt, dass ein gutes soziales Sicherungsnetz Menschen helfen kann, sich an Veränderungen anzupassen.

In Schweden gelang es gemäß Joseph Stiglitz, sozialen Schutz ohne Protektorismus zu gewährleisten, wodurch die Bevölkerung von der damit verbundenen Offenheit ihrer Wirtschaft und ihrer Gesellschaft profitierten. Joseph Stiglitz fügt hinzu: „Eine gute soziale Absicherung in Verbindung mit einem leistungsfähigen Bildungssystem und bedarfsgerechter Umschulungsangeboten hatte zur Folge, dass die schwedische Wirtschaft flexibler war und sich schneller an Schocks anpassen konnte, sodass sie einen höheren Beschäftigungsgrad aufrechterhalten konnte.“ Der gut konzipierte Wohlfahrtsstaat wurde so in Schweden zur Stütze einer innovativen Gesellschaft.

Von Hans Klumbies

 

 

 

 

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