Die Gesellschaft achtet echte Gewinner und Erfolgsmenschen

Die Wirtschaftstheorie geht von der These aus, dass der Mensch im Grunde risikoscheu ist und Ungewissheit aus Vernunftgründen meidet. Doch ein anderer entgegengesetzter Zug seines Wesens treibt ihn dazu an, sich auch riskanten Situationen auszusetzen. Robert J. Shiller erklärt: „Dieser natürliche Impuls, der mit Abenteuerlust und Selbstachtung zu tun hat, ist ein Triebfaktor für Unternehmergeist – für die „Animal Spirits“ in der realen Welt. Er ist aber auch eine der Ursachen für Spekulationsblasen und letztlich für den Crash.“ Robert J. Shiller zählt seit Jahren zu den Topkandidaten für den Wirtschaftsnobelpreis und zu den bedeutendsten Vordenkern in der globalen Wirtschaft. Zu seinen wichtigsten Büchern zählen „Irrationaler Überschwang“ und „Animal Spirits“, das er zusammen mit George A. Akerlof geschrieben hat. Robert J. Shiller lehrt Wirtschaftswissenschaften an der Yale University.

Risikobereite Menschen nutzen der Gesellschaft oft als Unternehmer

Diese Seite des menschlichen Charakters wurde laut Robert J. Shiller in der finanzwissenschaftlichen Forschung bislang nicht angemessen berücksichtigt. Wenn Robert J. Shiller die Funktionsweisen und die Fehlfunktionen des Finanzsystems in der Praxis betrachtet, lässt er nicht den instinktiven Impuls zum Eingehen von Risiken außer Acht, der sich in Erfahrungen aus dem wirklichen Leben bemerkbar macht. Er weist darauf hin, dass das die Natur das menschliche Gehirn so gepolt hat, dass die Menschen dazu neigen, die Möglichkeit künftiger Belohnungen auszukosten und sich in eine solche Position zu bringen, in der sich so eine Chance realisieren lässt.

Robert J. Shiller geht davon aus, dass ein solches bewusstes Eingehen von Risiken bestimmte evolutionäre Vorteile mit sich bringt. Dabei geht nicht jeder Mensch die gleichen Wagnisse ein. Psychologen haben herausgefunden, dass Personen, die gerne ein Risiko eingehen, in der Regel eher rastlos sind und Aufregung in ihrem Leben brauchen. Dabei geht es ihnen allerdings nicht um den Nervenkitzel und auch nicht ums reine Vergnügen. Sie brauchen das Neue, weil es neu ist. Für die Gesellschaft haben die Risikobreiten durchaus einen Nutzen, da viele von ihnen als Unternehmer glänzen.

Eine florierende Wirtschaft erfordert ein gewisses Maß an Ungleichheit

In der menschlichen Kultur hat sich, innerhalb gewisser Grenzen, Achtung und Bewunderung für Menschen eingebürgert, die Risikobereitschaft zeigen. Instinktiv respektiert die Gesellschaft Menschen, die sich Gefahren aussetzen, solange sie dabei nicht unsozial sind. Robert J. Shiller fügt hinzu: „Ein Ergebnis ist unsere Toleranz gegenüber sozialer Ungleichheit. Trotz allen Unmuts, den sie erregen kann, tut sie das nur, wenn sie als unverdient gilt. Auch großer Wohlstand findet Bewunderung.“

Alle finanzwirtschaftlichen Vorkehrungen dienen laut Robert J. Shiller der Ausmerzung und Verhinderung unrechtmäßiger und zufälliger Ungleichheit. Die Achtung vor den echten Gewinnern und Erfolgsmenschen bleibt erhalten. Ungleichheit ist seiner Meinung nach nicht an und für sich schlecht, solange sie nicht mit erdrückender Armut und Feindseligkeit einhergeht. Eine Zukunft, die Wohlstand bringt, ist nur möglich, wenn die Wirtschaft floriert, was wiederum ein gewisses Maß an Ungleichheit voraussetzt.

Von Hans Klumbies

 

 

 

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