Peter Bofinger warnt vor dem Zerbrechen des Euros

Sparen oder die Zahlungsunfähigkeit riskieren, das war lange Zeit die politische Devise in der Europäischen Union. Doch der Würzburger Ökonom Peter Bofinger, einer der fünf Wirtschaftsweisen, vertritt eine ganz andere Richtung und sagt: „Das strikte Spardiktat ist gescheitert. Volkswirtschaften stürzen in tiefe Rezessionen, breite Bevölkerungsschichten verarmen, und die Demokratie gerät in Gefahr – wir brauchen dringend einen Strategiewechsel. Oder der Euro zerbricht.“ Vor allem Anhänger des  britischen Ökonomen John Maynard Keynes halten nichts von der Sparpolitik, die von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel favorisiert wird. Zu den Keynesianern zählen die beiden amerikanischen Nobelpreisträger Paul Krugman, Joseph Stiglitz, der deutsche Ökonom Peter Bofinger sowie der Leiter des Konjunkturforschungsinstituts IMK, Gustav Horn.

Die EZB soll Regierungen und Banken unbegrenzt Geld leihen

Wenn die Staatsausgaben zur falschen Zeit zusammengestrichen werden, verschärft das laut John Maynard Keynes den Abschwung und die Massenarbeitslosigkeit. Seiner Meinung nach werden die fiskalen Probleme dadurch nur noch größer. Erst wenn die Wirtschaft stark genug ist, kann über den Abbau der Defizite gesprochen werden. Paul Krugman fordert: „Als Erstes muss Europa den Panikattacken an den Märkten Einhalt gebieten.“ Denn ein Hauptproblem der Eurokrise ist noch immer nicht gelöst: Investoren zweifeln an der Fähigkeit der Staaten, ihre Verbindlichkeiten zurückzuzahlen.

Zudem stellen die Investoren die Solidität der Banken in Frage, die in großem Stil Staatsanleihen hoch verschuldeter Länder gekauft haben. IMK-Chef Gustav Horn erklärt: „Wir müssen Vertrauen schaffen, sonst brauchen wir über Wachstum erst gar nicht zu reden. Das ist notwendig, damit Unternehmen investieren, Banken Kredite vergeben, Verbraucher konsumieren und die Wirtschaft läuft. Also soll die Europäische Zentralbank (EZB) Regierungen und Banken unbegrenzt Geld leihen.“

Europa sollte ein Investitionsprogramm auflegen

Ein Grundproblem der europäischen Währungsunion sehen viele Ökonomen in der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Mitglieder, die dazu führt, dass es Länder mit hohen Überschüssen wie Deutschland oder die Niederlande und solche mit hohen Defiziten wie Griechenland oder Spanien im Außenhandel gibt. Gustav Horn ergänzt: „In den Defizitländern waren die Lohnsteigerungen gemessen an der Produktivitätsentwicklung zu hoch, auch die Fiskalpolitik war zu großzügig, und dann gab es noch die Immobilienblasen.“

Zudem fordert Gustav Horn, dass Europa ein Investitionsprogramm auflegen sollte. Dieses sollte allerdings nicht durch neue Schulden, sondern durch Steuern finanziert werden. Die Keynesianer stimmen darin überein, dass eine ausgewogene Ausweitung von Steuern und Ausgaben die Wirtschaft wieder ankurbeln kann. Nobelpreisträger Joseph Stiglitz denkt dabei an eine höhere Besteuerung der oberen Einkommens- und Vermögensklassen im Verbund mit Ausgaben im Bildungsbereich. So ließen sich seiner Meinung nach das Bruttoinlandsprodukt und die Beschäftigung steigern. Quelle: Süddeutsche Zeitung

Von Hans Klumbies

 

 

 

 

 

 

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