Joseph Stiglitz lobt das amerikanische Insolvenzgesetz

Der amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz vertritt die These, dass Insolvenzen ein Schlüsselmerkmal des Kapitalismus sind. Eine Insolvenz tritt in der Regel dann ein, wenn Unternehmen ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen können. Allerdings sind inzwischen auch Sanierungen in vielen Branchen an der Tagesordnung. Joseph Stiglitz weist darauf hin, dass sich die Vereinigten Staaten von Amerika glücklich schätzen können, eine besonders effektive Methode zu haben, um Firmen einen Neuanfang zu ermöglichen. Das Chapter 11 des US-Insolvenzgesetzes gewährt im Insolvenzfall Schuldnerschutz, das heißt Schutz vor den Ansprüchen der Gläubiger. Fluggesellschaften haben Chapter 11 wiederholt erfolgreich genutzt. Joseph Stiglitz ergänzt: „Die betreffenden Fluggesellschaften hielten den Betrieb aufrecht; Arbeitsplätze und Vermögenswerte blieben erhalten.“ Der amerikanische Wirtschaftsforscher Joseph Stiglitz gilt als einer der einflussreichsten Ökonomen der Welt. Er lehrt an der New Yorker Columbia University. Im Jahr 2001 erhielt er den Nobelpreis für ein Werk über Informationsökonomie.

Die staatliche Einlagensicherung erhält die Stabilität des Finanzsystems

Die Aktionäre verlieren dagegen in der Regel alles, und die Anleihegläubiger werden zu den neuen Aktionären. Joseph Stiglitz erklärt: „Unter der neuen Geschäftsleitung und ohne die Schuldenlast kann die Fluggesellschaft weiterarbeiten. Der Staat spielt bei diesen Sanierungen nur eine beschränkte Rolle. Konkursgerichte stellen sicher, dass alle Gläubiger fair behandelt werden und dass die Geschäftsleitung sich die Vermögenswerte des Unternehmens nicht selbst aneignet.“

Bei Banken dagegen gibt es laut Joseph Stiglitz einen entscheidenden Unterschied. Die öffentliche Hand ist an ihnen direkt beteiligt, weil sie Einlagen versichert. Die staatliche Einlagensicherung dient dazu, die Stabilität des Finanzsystems zu erhalten, die wiederum für eine stabile Volkswirtschaft sorgt. Wenn eine Bank in finanzielle Schwierigkeiten gerät, sollte sie gemäß Joseph Stiglitz nicht anders als eine Fluggesellschaft behandelt werden: „Die Anteilseigner verlieren alles; die Anleihegläubiger werden die neuen Aktionäre. Oft ist der Wert der Anleihen hinlänglich hoch, sodass diese Maßnahme schon ausreicht.“

Insolvente Banken kommen vorübergehend unter staatliche Verwaltung

Es gibt aber auch Fälle, in denen eine Bank so heruntergewirtschaftet worden ist, dass ihre Verbindlichkeiten gegenüber den Einlegern größer sind als ihre Vermögenswerte. Joseph Stiglitz erläutert: „Dann muss die öffentliche Hand einspringen, um die Verpflichtungen der Bank gegenüber ihren Einlegern zu erfüllen. Tatsächlich wird der Staat (vermutlich Teil-) Eigentümer, auch wenn er im Allgemeinen versucht, die Bank so schnell wie möglich zu verkaufen oder aber einen Übernahmeinteressenten zu finden.“

Weil die Verbindlichkeiten der insolventen Bank ihre Vermögenswerte übersteigen, muss der Staat laut Joseph Stiglitz normalerweise die übernehmende Bank dafür bezahlen, dass sie das angeschlagene Kreditinstitut aufkauft, das heißt er muss das Minus in der Bilanz mit Steuergeldern ausgleichen. Joseph Stiglitz verdeutlicht: „Man nennt diesen Prozess „vorübergehende staatliche Verwaltung“. Für gewöhnlich geht der Eigentümerwechsel so glatt über die Bühne, dass Einleger und andere Kunden nichts davon mitbekommen, es sei denn, sie lesen in der Presse davon.“

Von Hans Klumbies

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